Stellungnahme zur Kita im Seltersweg

Grüner Stadtvorstand weist Vorwürfe gegen Jugenddezernentin Weigel-Greilich zurück


Rund um den Mietvertrag für die Kita im Seltersweg in Gießen wurde zuletzt scharfe Kritik laut. Begriffe wie „Verschwendung“ oder „Blauäugigkeit“ zeichnen ein verzerrtes Bild eines komplexen Vorhabens. Als Bündnis 90/Die Grünen Gießen stellen wir klar: Die Entscheidung war notwendig – aus Verantwortung für Familien, die Zukunft der Kinderbetreuung in unserer Stadt sowie dem Gestalten des Wandels in der Innenstadt.


Fakt ist: In Gießen fehlen aktuell rund 400 Kita-Plätze, besonders in der Innenstadt. Der Standort im Seltersweg wurde gezielt gewählt, um diesem Bedarf zu begegnen – zentral gelegen, gut erreichbar für Eltern und eingebettet in die geplante Aufwertung der Innenstadt mit Wohnen, Bildung, Kultur und sozialen Angeboten. Die Räume wurden eigens für eine Kita umgebaut. Ein Rückzug hätte den Verlust eines dringend benötigten Standorts bedeutet.


Der ursprünglich vorgesehene Träger, die Lebenshilfe Gießen e. V., zog sich kurzfristig zurück, ein bisher einmaliger Fall. Die Stadt hat sofort gehandelt, ein neues Interessenbekundungsverfahren gestartet und parallel alle Schritte eingeleitet, um die Kita auch in eigener Trägerschaft betreiben zu können. Innenausbau, Ausstattung und Personalplanung laufen. Begehungen mit interessierten Trägern haben stattgefunden, weitere Termine stehen an.


„Es wurde zu lange darauf vertraut, dass freie Träger diese kommunale Pflichtaufgabe langfristig übernehmen. Das war ein Versäumnis – und daraus wurden die nötigen Konsequenzen gezogen“, erklärt Jana Widdig, Sprecherin des Stadtverbands. „Die Stadt braucht Strukturen, die handlungsfähig bleiben, wenn ein Träger abspringt. Dass Gießen sich jetzt auf eigene Trägerschaften vorbereitet, ist richtig und notwendig.“

Dabei darf nicht vergessen werden: Nur durch das Modell der freien Trägerschaften konnte die Stadt in den vergangenen Jahren, selbst unter den Einschränkungen des Schutzschirms, überhaupt neue Kita-Plätze schaffen. Dieses System hatte sich bis zuletzt bewährt. Auf Vorrat im städtischen Haushalt zusätzliche Stellen für einen möglichen Notfall vorzusehen, wäre damals von den gleichen Stimmen, die jetzt laut werden, vermutlich ebenfalls kritisiert worden – und hätte zudem die Genehmigung des Haushalts durch das Regierungspräsidium gefährden können.


Auch die Debatte über die Miethöhe muss realistisch geführt werden. Die Stadt übernimmt grundsätzlich die Mietkosten für Kitas, unabhängig vom Standort. Durch gestiegene Baupreise liegen Mieten für Neubauten selbst in Randlagen inzwischen bei etwa 18 Euro pro Quadratmeter. Die Kosten im Seltersweg entsprechen also dem marktüblichen Rahmen. Der Standort ist gesichert und wird dringend gebraucht. Nach aktueller Planung sollen Ende 2025 die ersten Kinder aufgenommen werden. Die Eingewöhnung erfolgt, wie üblich, gestaffelt und individuell begleitet, unabhängig von der Trägerschaft.


„Kinderbetreuung ist eine kommunale Pflicht – und wird zur wachsenden Herausforderung“, so Widdig weiter. „Wir müssen schneller, flexibler und unabhängiger werden, damit sich Familien in Gießen auf gute Betreuung verlassen können. Dass die Stadt Verantwortung übernimmt und aus Rückschlägen lernt, ist der richtige Weg.“
Zudem ist es uns wichtig, dass die verschiedenen Akteure in der Innenstadt mit der Stadt einen verlässlichen Partner an ihrer Seite haben.


Die Rücktrittsforderungen gegen Jugenddezernentin Gerda Weigel-Greilich weisen wir als Stadtvorstand Bündnis90/Die Grünen Gießen entschieden zurück. Sie entbehren jeder Grundlage und behindern eine sachliche Auseinandersetzung. In schwierigen Zeiten braucht es lösungsorientierte Politik und nicht pauschale Schuldzuweisungen.

Download: Stellungnahme-Kita-Seltersweg.pdf

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