Biodiversität in Gießen stärken – Insektenfördernde Begrünung im Fokus

In dem Ausschuss für Klima-, Umwelt-, und Naturschutz, Stadtentwicklung, Energie und Verkehr haben wir am Dienstag über die vom Magistrat eingebrachte Satzung zur insektenfördernden Begrünung diskutiert. Durch die Satzung werden zukünftig Schottergärten verhindert und die Grüngestaltung der privaten und öffentlichen Grundstücksfreiflächen erreicht. Damit werden Lebensräume und Nahrungsquellen für Insekten geschaffen und erhalten. Das ist elementar für die Biodiversität in unserer Stadt, denn die zweite große Krise neben der Klimakrise ist das rasante Artensterben. Die Satzung ist auch für das Stadtklima eine wichtige Maßnahme, denn Schottergärten heizen sich bei Sonneneinstrahlung stark auf und erhöhen damit die Umgebungstemperatur. Außerdem sind sie schädlich bei Starkregenereignissen, denn sie lassen oft keine Versickerung von Wasser zu. Damit ist die Satzung ein wichtiger Schritt für die Begrünung, Artenvielfalt und Klimaanpassung unserer Stadt.

Eine höhere Anzahl an Insekten durch entsprechende Begrünung statt Schottergärten ist nicht nur gut für die Biodiversität, sondern u.a. auch für die Landwirtschaft in unserer Region. Obst- und Gemüseanbau sowie großflächige Ackerkulturen wie Raps, Sonnenblumen und Ackerbohnen profitieren von einer Insektenvielfalt. Um die Rechnung ganz simpel herunterzubrechen: Je mehr Insekten es gibt, desto mehr regionale Produkte sind in den Einkaufsmärkten vorhanden. Die wiederum sind günstiger und klimaneutraler als extra aus dem Ausland importierte Äpfel.

Der geschätzte Verlust durch den bisherigen Rückgang von Insekten und damit dem fehlenden Bestäuben von Wildbienen, Schwebfliegen und Schmetterlingen allein in Deutschland beträgt laut dem Weltbiodiversitätsrat 3,8 Milliarden Euro jährlich. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass mit dem Rückgang der Insekten auf die Landwirtschaft, die Kommunen und im Endeffekt auf uns alle enorme Kosten zukommen werden, da in Deutschland über 84% der Nutzpflanzenarten von Insekten abhängig sind.

Wie man vor diesem Hintergrund von einer dogmatischen Maßnahme sprechen kann, bei der lieber auf Freiwilligkeit gesetzt werden sollte, bleibt für uns unverständlich. Klima- und Artenschutz ist Daseinsvorsorge.

Auch mit weiteren Maßnahmen wollen wir die Förderung und Erhaltung von Biodiversität stärker unterstützen und setzen uns daher dafür ein, dass mehr Blühstreifen in unserer Stadt geschaffen werden und Initiativen dahingehend von der Stadt unterstützt werden. Ebenso wollen wir durch Nistkästen mehr Brutplätze für Vögel schaffen.

Diese Maßnahmen sind entscheidend für eine grünere, artenreichere und lebenswertete Stadt Gießen.

Es mag zwar nur ein Baustein von vielen weiteren Notwendigen sein, dennoch gehen wir mit dieser Satzung einen weiteren Schritt in die richtige Richtung.

Von: Jana Widdig, Mitglied im KUNSEV Ausschuss und Vera Strobel, Fraktionsvorsitzende

Artikel kommentieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert. Mit der Nutzung dieses Formulars erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch diese Website einverstanden. Entnimm Weiteres bitte der Datenschutzerklärung.

Bürgermeister Alexander Wright…
Felix Martin besucht die ev. K…