Bei einem Besuch der „Brücke“ der Regionalen Diakonie Gießen hat sich die B90/Die Grünen Gießen über die aktuelle Arbeit der Einrichtung, die Entwicklung der Wohnungsnotfallhilfe und die wachsenden Herausforderungen für die Mitarbeitenden informiert. Im Gespräch wurde deutlich: Die Brücke ist für viele Menschen in schwierigen Lebenssituationen eine unverzichtbare erste Anlaufstelle. Gleichzeitig haben sich sowohl die Zahl der Hilfesuchenden als auch deren Problemlagen in den vergangenen Jahren deutlich verändert.
Das Angebot der Brücke ist bewusst niedrigschwellig und breit aufgestellt. Es reicht von Fach- und Akutberatung über die Möglichkeit, Wäsche zu waschen oder sich für kurze Zeit auszuruhen, bis hin zu einer medizinischen Sprechstunde. Besonders wichtig ist, dass Menschen bei akutem Beratungsbedarf grundsätzlich auch ohne vorherige Terminvereinbarung Unterstützung erhalten können.
Wie stark der Bedarf gestiegen ist, zeigen die Besucherzahlen: Während vor rund sechs Jahren noch etwa 40 Menschen täglich die Einrichtung aufsuchten, sind es mittlerweile durchschnittlich etwa 80 Personen am Tag. Dabei geht es längst nicht ausschließlich um Menschen, die bereits wohnungslos sind. Auch Menschen, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind, suchen Unterstützung. Hinzu kommen Menschen aus der Alkohol- und Drogenszene.
Auch die Situation beim Drogenkonsum hat sich verändert. Während früher insbesondere Alkohol- und Heroinabhängigkeit eine große Rolle spielten, stellt die zunehmende Verbreitung von Crack die Mitarbeitenden vor neue Herausforderungen. Die hohe Abhängigkeit und teilweise daraus bedingten Verhaltensweisen erschweren die Beratung und Betreuung zusätzlich.
„Die Brücke“ leistet jeden Tag wichtige soziale Arbeit und erreicht Menschen, die an vielen anderen Stellen durch das Raster fallen würden. Gerade der unkomplizierte Zugang ohne lange Wartezeiten oder hohe Hürden ist eine große Stärke. Angesichts etwa 80 Besucherinnen und Besuchern täglich wird deutlich wie wichtig dieses Angebot ist“, bekräftigen Jana Widdig und Alex Wright, Parteivorsitzende der Grünen.
Ein Thema des Besuchs war auch die inzwischen geschlossene Bahnhofsmission. Diese war vor allem eine kurzfristige Anlaufstelle und wurde in hohem Maße durch ehrenamtliches Engagement getragen. Eine verlässliche und regelmäßige Öffnung konnte dadurch zuletzt nicht mehr gewährleistet werden. Da ein Finanzierungsteil weggebrochen ist, war die Bahnhofsmission nicht mehr aufrechtzuerhalten
Ein großer Teil der Menschen, die die Bahnhofsmission genutzt haben, war jedoch bereits an die Brücke angebunden und auch der Rest steht nicht ohne Anlaufstellen in Gießen dar. Die Szene ist u.a. untereinander gut vernetzt und weiß wo sie welche Hilfe bekommt.
„Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt, wie sehr Einrichtungen wie die Brücke gebraucht werden. Gleichzeitig dürfen wir nicht hinnehmen, dass steigende Fallzahlen und komplexere Problemlagen auf eine begrenzte personelle Ausstattung treffen. Für uns ist deshalb klar: Wir wollen die Brücke auch weiterhin unterstützen und gemeinsam daran arbeiten, dass ihre wichtige Arbeit verlässlich fortgeführt werden kann.“
Der Besuch hat zudem deutlich gemacht, dass die Veränderungen in der Drogenszene weiter in den Blick genommen werden müssen. Die GRÜNE Partei will deshalb den Austausch über mögliche zusätzliche Hilfsangebote und den Umgang mit dem gestiegenen Crack-Konsum gerne fortsetzen.