Gießener Grüne besuchen die Gießener Hilfe

Die Gießener Grünen haben kürzlich die Gießener Hilfe besucht, die im vergangenen Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum feierte. Die Opfer- und Zeugenhilfe Gießen ist eine professionelle Beratungsstelle für Betroffene, Angehörige von Betroffenen sowie Zeugen von Straftaten jeden Alters. Die Beratung ist ergebnisoffen, kostenlos und vertraulich. Auch Hinterbliebene von Getöteten sowie Institutionen erhalten hier Hilfe. Die Beratungsstelle arbeitet unabhängig davon, ob eine Anzeige erstattet wird oder nicht und gewährleistet eine flächendeckende Versorgung in Mittelhessen. Dazu gehört auch die Begleitung zu Gerichtsverhandlungen im gesamten Versorgungsgebiet. Die Gießener Hilfe ist an das Justizministerium angebunden, was eine überwiegende Finanzierung durch öffentliche Mittel ermöglicht. Sie wird jedoch in nicht unerheblichem Maße auch durch Fördergelder und Spenden unterstützt, um bestehende Finanzierungslücken schließen zu können.

Laut den Verantwortlichen der Gießener Hilfe macht etwa ein Drittel der Fälle häusliche Gewalt aus. In vielen Fällen dauert es Jahre, bis sich Betroffene aus dem Teufelskreis häuslicher Gewalt befreien können. Die Gießener Hilfe arbeitet dabei mit einem kleinen Team.

Ein besonders wichtiger Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Beratung von Betroffenen geschlechtsspezifischer Gewalt. Diese findet nicht nur im häuslichen Kontext statt, sondern auch in Schulen, am Arbeitsplatz und in vielen anderen Bereichen des öffentlichen Lebens. „Wir Grüne legen großen Wert darauf, dass Frauen mehr gestärkt werden und dass mehr Prävention betrieben wird. Die Arbeit der Gießener Hilfe ist in diesem Bereich von unschätzbarem Wert“, erklärte die Grüne sozialpolitische Sprecherin Jana Widdig, die den Besuch gemeinsam mit weiteren Grünen Mitgliedern unternahm. Die Gießener Hilfe kann zwar wenig zu sogenannter Primärprävention, also Maßnahmen zur Verhinderung von Straftaten beitragen. Sie leistet aber mit ihrer Beratungstätigkeit viel im Sinne der Sekundär- und Tertiärprävention, z.B. indem die Betroffene lernen ihre Ressourcen zu aktivieren und ihre Selbstwirksamkeit zu stärken, um die Folgen der erlebten Gewalt zu minimieren. Leider sind bei dem aktuell hohen Fallaufkommen spezielle, darüber hinausgehende Angebote und Workshops für Frauen (w/d) aus Kapazitätsgründen nicht möglich.

Auch wird die Gießener Hilfe in ihrer Arbeit durch fehlende finanzielle Mittel bei der Bereitstellung von professionellen Dolmetschern eingeschränkt. Die Stelle arbeitet daher mit Laien-Dolmetschern, was in der sensiblen Thematik der Opferberatung jedoch zu Herausforderungen führt. „Es ist bedauerlich, dass es an Mitteln für professionelle Dolmetscher mangelt. Wir setzen uns dafür ein, dass in Zukunft mehr Gelder für diese wichtige Aufgabe zur Verfügung gestellt werden“, so Klaus-Dieter Grothe weiter.

Die Gießener Hilfe äußerte außerdem ihre Besorgnis darüber, dass der Fonds für sexuellen Missbrauch zur Wiedergutmachung von Opfern eingestellt werden soll. Dieser Fonds sei ein bedeutendes Instrument zur Unterstützung von Betroffenen, und die Grünen versprachen, dieses Thema auf Bundesebene erneut aufzugreifen. Das Team der Gießener Hilfe begrüßt diesen Schritt sehr.

„Die Zahlen zu häuslicher Gewalt in Gießen sind von 2022 auf 2023 gestiegen. Ein Grund dafür könnte die gestiegene öffentliche Wahrnehmung und die bessere Aufklärung durch Beratungsstellen und Social Media sein. Mehr Menschen wissen jetzt, was geschlechtsspezifische Gewalt überhaupt ist, und dass sie Unterstützung in Anspruch nehmen können“, erklärte Dipl. Päd. Charlotte Schmidt abschließend.

Die Grünen bedankten sich bei der Gießener Hilfe für den offenen Austausch und werden sich weiterhin für die Verbesserung der Unterstützung von Gewaltopfern in Gießen und darüber hinaus einsetzen.

Pressemitteilung

Foto: Fabian Josten

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